Expertenmeinung

Expertenmeinung:

Dieter Kettermann

  • Ehem. Hotelier in Bernkastel 
  • Ehem. Vorsitzender Tourismusausschuß IHK Trier

hat folgenden Leserbrief an den TV verfasst

(26.Mai2023) Das Thema Emissionen ist was den „Schiffsverkehr auf der Mosel“ angeht sehr differenziert zu betrachten:

Die Mosel ist eine Europäische Wasserstraße auf der gleichnamiges Recht Gültigkeit hat!

Die Lärmemissionen dürfen bei Tag und Nacht  bis 65 Dezibel betragen.

In Rheinland-Pfalz sind in geschlossenen Ortslagen nachts nur 40 Dezibel erlaubt. Hier vertrete ich die Auffassung, was uns Bürgern auferlegt wird  (LANDES-Emmissionschutzgesetz) müsste die gleiche Einschränkung im Falle von Ruheposition bei Schiffen (Anlegen am Ufer) auch Gültigkeit haben.

 

Aber diese unterschiedliche Regelung ist noch nie vor Gericht ausgefochten / verhandelt worden!

Die Argumente pro mehr Schiffsanleger 

Im übrigen kann ich, zu vorstehendem Artikel, sachlich nur wenige Argumente

pro Schiffsanleger finden:

  • für den Gast eine angenehme Möglichkeit fremde Urlaubsregionen zu bereisen.
  • man gewinnt täglich neue Eindrücke durch Standortwechsel,
  • lernt viele Reiseziele schnell zu erkunden, man hat keinen Hotelwechsel,  Restaurantsuche erübrigt sich
  • die Freizeitprogramme an Bord lassen wenig Zeit für individuelle Gestaltungswünsche (Weinproben bei Winzern)
  • Shopping in Geschäften und ähnliches.
  • es  kommen möglicherweise mehr Kurzzeit - Touristen in die Tourismus Zentren 
  • 1 – 2 Stunden Verweildauer
  • es werden mehr Stadtführer beschäftigt
  • die touristischen Sehenswürdigkeiten werden mehr registriert und wahrgenommen
  • die Eindrücke sind aber nicht nachhaltig, für Wiederkehrer nicht unbedingt Motivation zur späteren Rückkehr.

 

Die Argumente contra mehr Schiffsanleger 

Stehen auch reziprok zu den Pro Argumenten

 

  • die Teilnehmer der Kreuzfahrten sind häufig älteren Jahrgangs, teilweise mobilitäts-eingeschränkt
  • die Gäste haben ein reichhaltiges Bordangebot und zu wenig Zeit in den Ziel-, Reisezentren
  • zu verweilen und dort Geld Ihres Urlaubsbudgets auszugeben
  • Sie überschwemmen die Orte der Liegeplätze mit Kurz-Aufenthaltsgästen
  • die Geschäftswelt vor Ort hat kaum Möglichkeiten, Umsatz in deren  

       Geschäftsräumen zu generieren

  • Weinproben werden zwar in Weinbaubetrieben durchgeführt, haben aber keinen Mitnahmeeffekt, da Mitnahme- und Verzehrbeschränkungen durch Schiffsbetreiber (Korkgeld von ca 30Euro/lokal gekaufter Flasche)
  • keine Einflussnahme der Kommune bezüglich der Liege- und Verweilzeiten
  • keine Anschlusspflicht an die örtliche Stromversorgung, wenn nicht vertraglich geregelt
  • die größte Teil des Urlauberbudgets wird durch die Schiffs-Reederei vereinnahmt

Wertschöpfung

Kreuzfahrtschiffspassagier

  • das Tagesbudget eines Kreuzfahrtschiffspassagiers beträgt pro Landgang weniger als 30,00 €  / Person
  • Verweildauer beträgt meist nur 2 – 3 Stunden 

 Landgast

  • das Tagesbudget eines Urlaubers / Besuchers der Region mit Hotel- / Restaurant und Shopping Ausgaben beträgt weit mehr als 150,00 € pro Person / Tag  
  • Es sind dies vor Allem: häufige Wiederkehrer / Stammgast der Mosel- /Weinbau- / Radler- / Wander-  und Touristikregion
  • die Verweildauer beträgt  3,5 – 4 Tage pro Gast und pro Aufenthalt  

Fazit

Die Handlungsweisen der Stadt Traben-Trarbach sind nicht nachvollziehbar.

Hier werden alle Regelmechanismen durch den Verkauf der Liegeplätze an die Reedereien abgegeben.

Unsere Land-Gäste werden mehr und mehr durch die Begleiterscheinungen des Kurzzeittourismus verdrängt.


Situation Bernkastel Kues

Die Stadt Bernkastel-Kues hat auf Bernkasteler Seite keine Anleger – auch am Kueser Ufer müssten diese erst geschaffen werden.

Alle Anleger sind privat vergeben und damit außerhalb jeglicher  Regelungsmöglichkeiten durch städtische Satzungen oder andere Regularien.

Die Reedereien nehmen touristische Angebote wahr, zahlen aber keinen Tourismus-Beitrag!

 

Hier führt dies bereits zu Wettbewerbs Verzerrungen mit der heimischen Tourismus Industrie, Hotellerie und Gastronomie!

Dieter Kettermann

  • Ehem. Hotelier in Bernkastel 
  • Ehem. Vorsitzender Tourismusausschuß IHK Trier